Naturfreunde entsetzt über neue Heideautobahn – NABU nimmt Stellung

Pressemitteilung vom 02.06.2021

Fotos: Copyright NABU MM

 

 

 

Rostock/Markgrafenheide/Rostocker Heide

In den letzten Tagen haben den NABU viele verärgerte Anfragen erreicht. Sie beziehen sich auf die Straßenbaumaßnahme in der Rostocker Heide zwischen Bäderstraße L22 und dem Hütelmoor. Sie hinterfragen den Sinn dieser Maßnahme, deren Naturschutzverträglichkeit, sehen die Landschaft verschandelt und die Wahrung eines sanften Heidetourismus gefährdet. Der NABU wird zur Stellungnahme und zum Handeln aufgefordert.

 

Der NABU hat sich kurzfristig mit dem Stadtforstamt in Verbindung gesetzt und um Aufklärung gebeten.

 

Die Straßenbaumaßnahmen zwischen dem Parkplatz Müggenburg an der Bäderstraße und dem Aussichtsturm im NSG „Heiligensee und Hütelmoor“ sei für die forstliche Bewirtschaftung und die touristische Nutzung der Rostocker Heide erforderlich, hieß es von dort. Mit den Baumaßnahmen werde die alte Straße nur mit einer neue Fahrbahndecke versehen. Dies falle unter die Straßenunterhaltung und bedürfe keiner Genehmigung.

 

Der NABU sieht diesen Vorgang äußerst kritisch. Diese Straße wurde Mitte der 1970er Jahre durch das damalige Volkseigene Gut Klockenhagen über Waldschneisen quer durch die Rostocker Heide  gebaut, um das seit 1961 bestehende NSG „Heiligensee und Hütelmoor“ zu meliorieren und intensiv landwirtschaftlich zu nutzen. Es war ein wesentlicher Erfolg der Rostocker Umweltbewegung in der Wendezeit, diese moor- und klima-schädliche Nutzung zu unterbinden. Damit war auch der Nutzungszweck dieser Straße entfallen.

 

Viel mehr als dieser historische Aspekt erschreckt den NABU die unangemessene und mit den Umweltverbänden nicht abgestimmte Straßenertüchtigung. Die Ausführung der Baumaßnahmen erfolgte mitten in der Brutzeit geschützter und seltener Vögel und muss deshalb zu erheblichen Störungen geführt haben. Dies wäre grundsätzlich vermeidbar gewesen. Die breite dicke Asphaltdecke, die sich quer durch die Heide zieht, führt zu einer Zerschneidung der Lebensräume kleiner Tierarten, die im Waldboden siedeln und nicht in der Lage sind, die Asphaltstraße zu queren. Als besonders problematisch schätzt der NABU die Langzeitfolgen für das NSG „Heiligensee und Hütelmoor“ ein. Aus der vom Vorhabenträger beabsichtigten Verbesserung der touristischen Nutzbarkeit der Straße generiert sich ein Massentourismus, vor allem auch durch die Attraktivität für neue Nutzergruppen, der direkt in das besonders störungsempfindliche Offenland des NSG geleitet wird. Bereits zu verzeichnende Erfolge des Naturschutzes sieht der NABU als gefährdet an. Dazu gehört nicht zuletzt auch die Möglichkeit, dass sich vorrangig naturinteressierten Besucher in dieser Landschaft ohne die anderenorts üblichen massentouristischen Störwirkungen erholen und die Schutzgebiete mit ihrer Artenvielfalt genießen können. 

 

Aus Sicht des NABU ist die Begründung der Maßnahme auch aus forstwirtschaftlicher Sicht fragwürdig. Holztransporte hätten wie bisher und anderswo üblich auch über nicht asphaltierte Forstwege erfolgen können. Gänzlich unverständlich ist der Neuaufbau des Straßenabschnittes im NSG. Hier wäre im besten Falle ein Ersatz der alten Straße durch einen einfachen Wanderweg angezeigt gewesen.

 

Der NABU fordert einen Rückbau des Asphalts aus dem Naturschutzgebiet!

 

Bei einer frühzeitigen Einbeziehung der Öffentlichkeit einschließlich der Umweltverbände wären die mit dem Straßenbau verbundenen Störungen und Folgeschäden an Natur und Umwelt vermeidbar gewesen. Eine Stakeholder-Beteiligung ist so auch im FSC-Reglement (https://www.fsc-deutschland.de/de-de/der-fscr/prinzipien und https://www.fsc-deutschland.de/de-de/wald/waldstandards) verankert, zu dem sich die Hansestadt mit seinem forstwirtschaftendem Stadtforstamt seit Jahren bekennt. Es ist unverständlich, warum das Stadtforstamt, das auch noch die Aufgaben der unteren Naturschutzbehörde wahrnimmt, die Umwelt- oder Heimatverbände und andere Beteiligte (Stakeholder) bei solchen Vorhaben nicht bereits in der Planungsphase einbezieht.  

 

Der NABU wird das Zustandekommen und die Auswirkungen der Straßenbaumaßnahme auf die Schutzziele und den Zustand der betroffenen Schutzgebiete weiter prüfen und Minderungs- und Ausgleichsmaßnahmen für die negativen Einwirkungen fordern.

 

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